"Die Muslime versuchen, die Niederlande zu kolonisieren"
Der holländische Trendforscher Adjiedj Bakas (41) drängt auf eine Veränderung der Einwanderungspolitik. Sonst könne der Kontinent zu Eurabia werdenDie Welt: Haben sich die Niederlande durch den Mord an Theo van Gogh verändert?
Adjiedj Bakas: Ja und nein. Es ist jetzt ein Wandel erkennbar, der schon vor einigen Jahren begonnen hat. Es wird darüber debattiert, wie wir mit den Muslimen im Lande umgehen sollen. Das ist ein positiver Effekt.
Die Welt: Inwiefern positiv?
Bakas: In erster Linie, weil die islamische Gemeinde selber über ihre Rolle in der niederländischen Gesellschaft diskutiert. Bis dahin hat es keine Beiträge in Zeitungen, keine Fernsehdiskussionen von Muslimen gegeben, in welche Richtung sich ihre Religion bewegt. Vor allem junge Muslime artikulieren, daß die den Fundamentalismus hassen und die Demokratie lieben - das ist für unser Land ziemlich einzigartig.
Die Welt: Reicht es aus, wenn die Muslime über ihre Rolle diskutieren oder brauchen die Niederlande eine neue Einwanderungspolitik?
Bakas: Ja, die bisherige Einwanderungspolitik der vergangenen 40 Jahre war schlicht desaströs. Man muß aber differenzieren. Mit den schwarzen, den südamerikanischen und den asiatischen Einwanderern haben wir so gut wie keine Probleme. Die gehen zur Schule heiraten Niederländer und haben Jobs. Schwierigkeiten bereiten die islamischen Immigranten, vor allem die aus Marokko, aber auch die aus der Türkei. Wir haben auch indonesische und surinamsche Muslime im Land. Mit denen haben wir ebenfalls keine Probleme.
Die Welt: Was soll die Regierung tun?
Bakas: Die Regierung sollte erstens die nicht-islamischen Immigranten willkommen heißen, weil sie ein Beispiel sind, wie Integration funktioniert. Zweitens sollte die Einwanderung von denjenigen gestoppt werden, die weder den Willen noch die Fähigkeit haben, Niederländer zu werden. Dazu sollte der Nachzug von Frauen für arrangierte Ehen, so weit es irgend geht, erschwert werden. Drittens sollten wir das belgische Modell kopieren: Dort ist die Religion jedes Bürgers registriert, so daß die Regierung weiß, mit wem sie es zu tun hat. Wir haben eine Million Muslime im Lande, viele sind aber nur "Minos" ("Moslems in name only"). Wir wissen also gar nicht, wie viele wirklich gläubig oder gar fundamentalistisch sind.
Viertens sollten alle Niederländisch lernen. Es ist lächerlich, daß Menschen sich der neuen Sprache entziehen können. Außerdem wäre es wichtig, daß die älteren Türken und Marokkaner, die sich hier nicht heimisch fühlen, in ihre Heimat zurückkehren. Sie üben eine unglaubliche soziale Kontrolle über die Jugend aus, so daß diese sich nicht frei entwickeln kann. Schließlich müssen wir eine eigene Ausbildung für Imame etablieren. Bislang kommen die aus der Provinz und wissen nichts über das Land. Wir brauchen Geistliche, die das Land und seine Regeln kennen.
Die Welt: Wissen die jungen Menschen genug über die Niederlande?
Bakas: Ich glaube, sie müssen erst einmal mehr über den Islam lernen. Muslime sind nicht daran gewohnt, als Minderheiten in einem fremden Land zu leben. Sie wollen immer die Macht in den Ländern, in denen sie leben, übernehmen. Sie versuchen die Niederlande zu kolonisieren. Bisher haben wir ihnen das zu einfach gemacht. Ein Beispiel: Muslimische, hochgebildete, aber fundamentalistische Frauen, die in Amsterdam Medizin studieren, weigern sich, Männer zu untersuchen, weil das ihrem Glauben widerspreche - und wir haben ihnen dieses Privileg, das für einen Arzt, der Leben retten soll, völlig lächerlich ist, zugestanden.


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